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Thema: Sprachregelung/Genderisierung [Seite 1 ]  

Kein neuer Beitrag Compassion , 22.06.2020, 10:35
Beitrag #1   

Rang: * * * O O
Registrierung: 08.04.2020, 10:59
 

Fortgeschritten mit 53 Punkte, 49 Beiträge
Liebe Forumsteilnehmerinnen und -teilnehmer,

da bereits ein Thread über die Verwendung von Sprache (bezüglich des Begriffes "dead heading"
läuft, komme ich mal mit einem ganz anderen, für mich als Medienmacher für die Gesellschaft
Deutscher Rosenfreunde aber sehr viel tragweiterem Thema daher, das mir wirklich wichtig ist:

Es geht mir um die Genderisierung unserer Schriftsprache in unseren Veröffentlichungen.

Unsere deutsche Muttersprache ist männlich dominiert, wenn auch nicht ausschließlich männlich
orientiert.
Im Zuge des Bemühens um Gleichberechtigung in erster Linie von Frauen (andere Geschlechtsvarianten
lasse ich mal einfachheitshalber aus) auch in unserer Sprache sind Vorschläge dazu seit Jahrzehnten
bekannt, die nun immer mehr in Medien einfließen. Beispielsweise gibt es das große "I" - womit etwa
bei einer Verwendung des Begriffes "Rosenfreunde", dieser in "RosenfreundInnen" umgewandelt werden
kann.

Bisher habe ich mich sprachlich so bewegt, dass ich aufgelöst habe in etwa "Rosenfreundinnen und
Rosenfreunde" oder etwa eine Verlaufsform verwendet habe wie beispielsweise statt "Besucher" die
substantivierte Verbform "Besuchende". Das führte in einem Text im Rosenbogen 1/2020, S. 16,
"offene Gärten" dazu, dass ich das Manuskript von Ulf Siebert in dieser Weise bearbeitet habe und
offenbar über das Ziel, beiden Geschlechtern gerecht zu werden, hinaus geschossen habe. Für diesen
Beitrag habe ich eine harsche Leserkritik einstecken müssen im Sinne davon, dass er sprachlich
entstellt sei. Auch wenn die Form der Kritik mich nicht gerade begeistert hat, verstehe ich den
Kern dabei. Ich habe in dieser Bearbeitung dazu beigetragen, dass der Text holperiger zu lesen war.
Das ist leider bei der Nennung beider Geschlechter oder ausweichenden Formulierungen nicht
vermeidbar.

Meine derzeitige persönliche Haltung für Texte ist folgende:
In direkten Anreden würde ich stets beide Geschlechter ansprechen - beispielsweise läuft das so ja
schon im Vorwort.
Handelt es sich um sehr formale Texte mit offiziellem Charakter, halte ich es für wesentlich, dass
alle Geschlechter auch dort klar benannt werden. Das wären meiner Ansicht nach Gesetzestexte,
Stellenausschreibungen oder Ähnliches.

Mein Problem ist der Fließtext. Hier kann ein politisch gewiss korrektes, konsequentes Durchgendern
dazu führen, dass ganze Satzkonstruktionen etwa mit Artikeln und Pronomen bzw. Verbformen sich
derart aufblähen, dass man die Lust am Lesen verliert und Inhalte ins Hintertreffen geraten.
Als Autor schließe ich darum mich den Ausführungen von Arthur Brühlmeier an, die ich im Frühling
gelesen habe
- hier der Link:
http://www.bruehlmeier.info/sprachfeminismus.htm
- für mich fällt da nicht ins Gewicht, dass er aus der Schweiz stammt. Er plädiert - als Fazit -
dafür, zwischen sprachlichem Geschlecht und faktischem Geschlecht zu unterscheiden und ist der
Ansicht, im Wesentlichen alles so zu belassen, wie es etwa zu unserer Schulzeit war.

Klar, ich bin ein Mann und kann mich schlecht in eine Frau hineinversetzen, die sich sprachlich
eventuell nicht angesprochen fühlt, wenn beispielsweise von "Hobbygärtnern" geschrieben wird - also
ob sie sich durch diesen Begriff sogar ausgeschlossen fühlt. Und ich erkenne an, dass sich auch
eine Schriftsprache weiterentwickelt.

Aber ich sehe auch, dass eine sprachliche Eleganz und Genauigkeit verloren geht, wenn man
durchgendert. Bisher hat mich noch kein Entwurf dahingehend überzeugt. Da Schreiben meine Arbeit
ist und ich diese Tätigkeit sehr gerne ausübe und stets versuche, anschaulich und unterhaltsam zu
formulieren, stoße ich in meiner täglichen Arbeit an echte Grenzen und neige derzeit dazu, eher
nicht zu gendern.

Doch ich bin in meiner Entscheidung selbstverständlich für die Medien der Deutschen
Rosengesellschaft
(der neue Begriff umgeht ein Gendern - was ich hier klasse finde, weil er griffig
und prägnant ist) nicht autark und kann und will für meine Arbeit dabei das nicht selber
entscheiden.
Derzeit läuft eine entsprechende Anfrage an den Vorstand, die allerdings noch nicht wirklich
weitergekommen ist. Von der Geschäftsstelle kamen nachvollziehbare Bedenken, der Linie von
Brühlmeier zu folgen - und auch wenn ich selbst diese Einwände nicht teile, respektiere ich das
voll und ganz.

Mir ist wichtig, ein Meinungsbild zu bekommen, wie Sie als Rosenfreundinnen und Rosenfreunde das
beurteilen.

Wie soll eine Sprachregelung aussehen? Was ist Ihnen wichtig? Worauf achten Sie beim Lesen von
Texten?

Mir ist klar, dass dieses Thema viele hier nerven kann und das es als lästig empfunden werden kann,
sich damit zu beschäftigen. Und alle, die sich hier heraushalten wollen, verstehe ich absolut.
Und mir ist auch klar, dass hier im Forum keine repräsentative Umfrage gestellt werden kann, die zu
einem validen Votum führt.

Ich würde mich dennoch sehr freuen, wenn ich Argumente und Haltungen kennen lernen kann, die in die
Meinungsbildung einfließen.

Wie gesagt: Ich will es mir nicht so einfach machen, als Redakteur das einfach selbst zu bestimmen
- aber ich schwimme etwas hinsichtlich einer klaren Regelung.
Mir ist einfach wichtig, die Haltung unserer Gesellschaft auch in unseren Medien abzubilden.

Hier ist Andreas Barlage am Werke.
Der veröffentlichte Name ist nicht nur eine Hommage an eine meiner Lieblingsrosen, sondern auch ein
Leitbegriff der mir für mein Leben wichtig ist. Übersetzt werden kann er mit „Mitgefühl“.

 
Kein neuer Beitrag Blaue_Rose , 22.06.2020, 10:59
Beitrag #2   

Rang: * * O O O
Registrierung: 11.08.2010, 20:02
 

öfters da mit 14 Punkte, 12 Beiträge
Hallo, Andreas, ich finde, daß z.B. der Begriff "Freunde" alle Geschlechter beinhaltet. Das große
"I" in manchen Wortverbindungen, das auf Krampf alle Geschlechter einschließen soll, hasse ich wie
die Pest und lasse es schon immer in unserem Gemeindebrief ändern.

Bei dem Wort "RosenfreundInnen" kommt es mir immer so vor, als wäre das I falsch geschrieben und
die (männlichen und anderen) Rosenfreunde bleiben dann außen vor. Außerdem müßte es dann m.M. nach
korrekt Rosenfreunde/innen" heißen.

Komm doch in den Garten! Ich hätte gern, daß meine Rosen dich sehen. (R.B.Sheridan)
Dieser Beitrag wurde insgesamt 1 mal editiert. Das letzte Mal 22.06.2020, 11:09 von Blaue_Rose.

 
Kein neuer Beitrag Stachelritter , 22.06.2020, 12:35
Beitrag #3   

Rang: * * O O O
Registrierung: 09.06.2020, 13:09
 

öfters da mit 41 Punkte, 39 Beiträge
Es ist einfach eine Sache der Gewöhnung. Und ich werde hier sicher auch der einen oder anderen
Stimme widersprechen, indem ich meine Regelung vorstelle und nicht für ein "weiter so" plädiere.

Aber: Wer fragt, bekommt eine Antwort. Was dann damit gemacht wird, ist Sache des Fragenden.

Ich bin Professor und schreibe in allen Texten (universitätsintern und in Veröffentlichungen) stets
ein "*". Also: "Rosenfreund*innen".

Das ist bei uns zum einen per offizieller Regelung vorgegeben, zum anderen ist es wirklich keine
störende Form. Aufblähen würde wirklich die doppelte Schreibung "Rosenfreunde und
Rosenfreundinnen". Damit hätte ich dauerhaft Schwierigkeiten.

Aber das Asterisk stört mich nicht. Alternativ schlage ich die grundsätzlich feminine Form zur
Verwendung vor. Dann merken die ganzen Leute, die sich durch diese Form provoziert fühlen, wie sich
viele (vor allem jüngere) Frauen durch die maskuline Form provoziert fühlen.

Bei uns an der Uni waren es vielleicht zwei Wochen, in denen man über das Asterisk gestolpert ist.
Danach war es kein Problem mehr.

Und wer will, kann das Asterisk auch sprechen - auch das lernt man schnell für Vorlesungen,
Vorträge etc.: "Rosenfreund (Pause) Innen".

(Ich empfinde die strikte Verwendung der männlichen Form in Texten, wenn ein männlicher Autor nicht
über sich selbst schreibt, als völlig unzeitgemäß. Für mich wertet das auch die Aussagen etwas ab,
wenn ein Mann sich nicht die Mühe macht, sich um eine zeitgemäße Form des Sprechens/Schreibens zu
bemühen. Eine Ausnahme mache ich für ganz alte Männer, die das oft gar nicht als Problem empfinden
oder solche Entwicklungen nicht mehr verfolgen. Aber vielfach sind es gerade diese, die das
Asterisk als erste umgesetzt haben.)


Herzlichst,
Stefan

 
Kein neuer Beitrag Klaus , 24.06.2020, 08:32
Beitrag #4   

Rang: * * * * O
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Liebe Forumsmitglieder,

diese Formulierung verwende ich bereits seit einiger Zeit aus eben diesem Grund, weil sie
geschlechterneutral ist.

Ich bin Übersetzer und muss in dieser Eigenschaft ständig auf Genderneutralität achten, kann
Andreas´ Bauchschmerzen also gut nachvollziehen.

Stefans Plädoyer für das Gender-Sternchen (*) muss ich respektieren, ich verwende das Sternchen
allerdings nicht selbst, weil es zu Formulierungen führt, die das Gegenteil von Genderneutralität
darstellen, beispielsweise im Genitiv und im Plural: "Die Absicht der Rosenfeund*innen ist
unverkennbar" wird den männlichen Rosenfreunden nicht mehr gerecht. Das gilt auch für die
RosenfreundInnen.
Für mich erscheint das als verkrampft und abwegig.

Klaus

 
Kein neuer Beitrag Ramblerjosef , 25.06.2020, 12:08
Beitrag #5   

Rang: * * * * O
Registrierung: 18.01.2010, 19:54
 

Erfahren mit 200 Punkte, 174 Beiträge
Liebe Forumsmitglieder,
Eine Frage an den Professor.
Ich verwende gerne die Anrede, ( Liebe Rosenfans )
Ist das so gelegen, ja? :D

https://up.picr.de/38865536cn.jpg

Man braucht nicht erst zu sterben um ins Paradies zu gelangen. Gehe in Deinen Rosengarten. Helene
und Josef. =)

 
Kein neuer Beitrag Stachelritter , 25.06.2020, 21:11
Beitrag #6   

Rang: * * O O O
Registrierung: 09.06.2020, 13:09
 

öfters da mit 41 Punkte, 39 Beiträge
Haha, wenn ich gemeint war: Von mir aus gern. "Fan" kommt von "fanatic". Und sich fanatisch für
Rosen interessieren, ist ja eine schöne Sache. :-)


Herzlichst,
Stefan

 
Kein neuer Beitrag Ramblerjosef , 25.06.2020, 21:23
Beitrag #7   

Rang: * * * * O
Registrierung: 18.01.2010, 19:54
 

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Hallo Stefan,
zu Dank ein Foto.
LG. Josef. ;-) :D

https://up.picr.de/38868436qs.jpg

Man braucht nicht erst zu sterben um ins Paradies zu gelangen. Gehe in Deinen Rosengarten. Helene
und Josef. =)

 
Kein neuer Beitrag Klaus , 26.06.2020, 07:32
Beitrag #8   

Rang: * * * * O
Registrierung: 15.01.2010, 12:49
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Liebe Rosenfreunde (m/w/d),

bei Stellenanzeigen ist es heute Standard, die männliche Form zu wählen und "(m/w/d)" zu ergänzen
(für_ männlich / weiblich / divers).
Damit ist man "aus dem Schneider", und das Unternehmen kann sich als auf der Höhe der Zeit
profilieren: genderneutral und integrativ, was heißen soll: es bietet gleiche Chancen für alle,
Orientierung und ethnische Herkunft spielen für die Karriere keine Rolle. Danach kann es im Text
ruhig "männlich" weitergehen, es wurde ja eingangs klargestellt, dass ALLE angesprochen werden. Der
Text liest sich nicht mehr so spröde, als wenn ständig sowohl die männliche als auch die weibliche
Form verwendet werden muss.

Wie steht Ihr dazu? Fühlt sich mit meiner heutigen Anrede jede und jeder von Euch angesprochen.
Wäre das eine Lösung?

Bin gespannt, wie Ihr das seht.

Klaus

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